Dresdner Drumfestival
Das Dresdner Drumfestival war ein jährliches Schlagzeug- und...

Das 3. Dresdner Drumfestival 2009: Rückblick und Highlights

· Robert Eisfeldt
Das 3. Dresdner Drumfestival 2009: Rückblick und Highlights

Wer im September 2009 in Dresden unterwegs war und ein offenes Ohr für Rhythmus hatte, kam an einem Ereignis nicht vorbei: dem 3. Dresdner Drumfestival. Zwei intensive Tage, vollgepackt mit Konzerten, Workshops und purer Schlagzeugbegeisterung – ein Fest, das beweisen wollte, dass eine Großstadt wie Dresden keine riesigen Sponsoren braucht, um Weltklasse auf die Bühne zu bringen.

Das Festival 2009 im Überblick

Am 19. und 20. September 2009 verwandelte das 3. Dresdner Drumfestival die Dresdner Neustadt in einen Hotspot der Schlagzeugkultur. Organisator Robert Eisfeldt und sein Mitstreiter Matthias Barthel hatten sich ehrgeizige Ziele gesetzt: rund 50 einzelne Programmpunkte an zwei Tagen, verteilt auf mehrere Spielstätten – darunter die Scheune und die Groove Station. Ein Format, das in Deutschland zu diesem Zeitpunkt seinesgleichen suchte.

Das Konzept war bewusst weit gefasst. Stilistische Vielfalt als Programm, nicht als Zufall. Pop, Folk, World Music, Drum'n'Bass, Jazz-Rock und Jazz-Fusion standen gleichwertig nebeneinander. Wer dachte, ein Schlagzeugfestival sei eine Angelegenheit für eingeschworene Fachleute mit Takt-Fachkenntnis, wurde angenehm überrascht. Die Musik sprach für sich.

Baby Sommer als Schirmherr – eine Wahl mit Statement

Die Wahl des Schirmherrn war alles andere als zufällig. Günter „Baby" Sommer, in Dresden geborener Jazzdrummer und eine der prägenden Figuren des europäischen Avantgarde-Jazz, übernahm diese Rolle für das Festival. Sommer, der an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden studierte und maßgeblich dazu beitrug, den Free Jazz in der DDR zu etablieren, verkörpert genau jene Haltung, die das Dresdner Drumfestival auszeichnet: Rhythmus als Kunstform, nicht als bloße Begleitung. Über 100 Alben hat er eingespielt – eine Biografie, die Bände spricht.

Mehr über Günter „Baby" Sommer lässt sich auf Wikipedia nachlesen, wo seine Bedeutung für den europäischen Jazz ausführlich dokumentiert ist.

Konzert-Highlights: Stilvielfalt auf mehreren Bühnen

Lokale Künstler im Rampenlicht

Robert Eisfeldt selbst trat mit seiner Post-Rock-Band Rinkk auf – ein Auftritt, der zeigte, dass der Festivalorganisator nicht nur hinter den Kulissen agiert, sondern auch selbst das Schlagzeug beherrscht wie wenige. Rinkk stand exemplarisch für das, was das Festival auszeichnete: Dresdner Bands, die keine Wünsche an internationale Größen stellen mussten, weil sie selbst längst auf diesem Niveau angekommen waren.

Internationale Begegnungen

Neben den regionalen Acts reiste das Festival mit weltklassigen Schlagzeugern und Percussionisten an, die ihre Disziplinen unterschiedlichster Herkunft mitbrachten. Das Nebeneinander von Weltmusik-Percussion und modernem Jazz-Rock auf derselben Festivalfläche war kein Widerspruch, sondern das eigentliche Herzstück des Konzepts.

Das Portal musik-in-dresden.de berichtete bereits im Vorfeld über die stilistische Breite des Programms und die außergewöhnliche Dichte der Veranstaltungen.

Workshops und Masterclasses: Lernen von den Besten

Festivals wie dieses leben nicht nur von den Abendkonzerten. Die Workshops waren für viele Besucher der eigentliche Kern des Wochenendes. Schlagzeuglehrerinnen und -lehrer, Musikstudierende und ambitionierte Hobbydrummer nutzten die Gelegenheit, direkt von reisenden Profis zu lernen – Techniken, Rhythmussysteme und musikalische Weltsichten, die man aus Büchern oder YouTube-Videos so nie mitbekommt.

Robert Eisfeldt betrieb parallel zu seiner Festivalorganisation sein Drumworkshop-Angebot in Dresden – ein Umfeld, in dem der Austausch zwischen Lernenden und Profis schon immer gepflegt wurde. Das Festival war in gewisser Weise eine öffentliche Erweiterung dieser Haltung: Wissen teilen, Begeisterung weitergeben.

Die Scheune und Groove Station als Festivalorte

Wer die Dresdner Kulturlandschaft kennt, weiß, dass die Wahl dieser Spielstätten kein Zufall war. Die Scheune in der Neustadt steht seit Jahrzehnten für ein Publikum, das offen und neugierig ist. Die Groove Station bringt schon im Namen mit, was ein Schlagzeugfestival braucht. Beide Orte hatten das richtige Flair – keine sterile Konzerthalle, sondern Räume, in denen Musik lebt.

Der Club Puschkin, ebenfalls ein fester Bestandteil der Dresdner Neustadt-Kulturszene, gehörte zu den Veranstaltungsorten des Festivals in späteren Ausgaben – ein Netzwerk von Bühnen, das dem Festival seinen charakteristischen Stadtfestival-Charakter verlieh.

Das Dresdner Drumfestival im deutschen Kontext

Mit rund 50 Programmpunkten an zwei Tagen war das 3. Dresdner Drumfestival ein Ausrufezeichen in der deutschen Schlagzeugfestival-Landschaft. Zum Vergleich: Das Drums'n'Percussion in Paderborn, das als Europas größtes Schlagzeugfestival gilt und seit 2001 stattfindet, hat eine ganz andere Größenordnung und Infrastruktur. Das Dresdner Festival wählte bewusst den anderen Weg – kleiner, intimer, stärker in der lokalen Szene verwurzelt.

Und genau das war seine Stärke. Keine anonyme Großveranstaltung, sondern ein Festival, bei dem man tatsächlich mit den Künstlern ins Gespräch kam, bei dem Dresdner Bands und Weltreisende auf Augenhöhe musizierten.

Fazit: Ein Festival, das nachwirkt

Das 3. Dresdner Drumfestival 2009 war mehr als eine Konzertreihe. Es war ein Versprechen: dass Rhythmus verbindet, dass Dresden eine lebendige Schlagzeugszene hat und dass man mit Leidenschaft und Organisation auch ohne Großsponsoren etwas auf die Beine stellen kann, das wirklich zählt. Wer dabei war, erinnert sich. Und wer nicht dabei war, hatte einen guten Grund, beim nächsten Mal früher seine Karten zu kaufen.