Das Dresdner Drumfestival 2010: Programm, Kuenstler und Eindrücke
Das Jahr 2010 markierte einen besonderen Meilenstein für die Dresdner Schlagzeug-Szene: Das vierte Dresdner Drumfestival öffnete wieder seine Türen im Club Puschkin in der Neustadt und bewies damit, dass sich Robert Eisfeldts Vision einer ernstzunehmenden Plattform für Schlagzeug und Perkussion in dieser Stadt nachhaltig etabliert hatte. Was 2007 als mutiges Experiment begann, war vier Jahre später eine feste Größe im Kalender passionierter Drummer aus Dresden, Sachsen und weit darüber hinaus.
Ein Festival, das sich seinen Ruf verdient hat
Ohne große Sponsorengelder, ohne aufwendigen PR-Apparat – das Dresdner Drumfestival lebte damals wie heute von der echten Leidenschaft seiner Macher und seines Publikums. 2010 stand die Veranstaltung unter einem besonderen Vorzeichen: Das Lineup war in seiner Bandbreite so international und hochkarätig wie nie zuvor. Wer an diesem Wochenende im Puschkin war, erlebte keine Mainstream-Musikveranstaltung, sondern einen Ort, an dem Rhythmus und handwerkliches Können im Mittelpunkt standen.
Der Club selbst – ein legendäres Stück Dresdner Nachtkultur an der Leipziger Straße – bot mit seiner Bühne und der intimen Atmosphäre den idealen Rahmen für ein Festival, das Nähe zwischen Künstlern und Publikum nicht nur versprach, sondern tatsächlich lieferte.
Das Programm: Konzerte und Workshops unter einem Dach
Das Dresdner Drumfestival 2010 Schlagzeug Festival Programm gliederte sich wie gewohnt in zwei Säulen: abendliche Konzerte, die die Bühne des Puschkin zum Beben brachten, und tagsüber stattfindende Workshops und Masterclasses, bei denen Teilnehmer direkt mit den auftretenden Künstlern arbeiten konnten.
Diese Kombination war und ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal des Festivals. Man saß nicht nur als passives Publikum im Dunkeln – man diskutierte, spielte mit, stellte Fragen, und sah denselben Drummer, den man am Abend auf der Bühne bewundert hatte, am Nachmittag noch am Übungsset sitzen.
George Kollias: Extremes Handwerk auf höchstem Niveau
Einer der absoluten Höhepunkte des Dresdner Drumfestival 2010 war der Auftritt und Workshop von George Kollias, dem griechischen Ausnahme-Drummer, der durch seine Arbeit mit der amerikanischen Death-Metal-Band Nile weltweite Bekanntheit erlangt hatte. Kollias gilt als einer der technisch versiertesten Drummer seiner Generation – seine Fußtechnik, sein unglaubliches Blast-Beat-Tempo und die gleichzeitige Musikalität, mit der er komplexeste Rhythmiken umsetzt, haben ihm in der internationalen Drum-Community eine einzigartige Stellung eingebracht.
Im Workshop-Setting konnte man 2010 hautnah erleben, wie Kollias seine Technik erklärt und vorführt – ohne Kompromisse, ohne vereinfachende Schönfärberei. Wer dachte, extreme Metal-Drumming sei bloß Lärm und Geschwindigkeit, wurde eines Besseren belehrt. Es war Präzisionsarbeit, demonstriert mit pädagogischem Feingefühl.
Dom Famularo: Der Global Drum Ambassador
Neben Kollias war Dom Famularo eine der prägenden Persönlichkeiten des Festivals in jenem Jahr. Der Amerikaner – von der Modern Drummer Magazine-Leserschaft mehrfach zum besten Drum-Clinician gewählt – brachte eine ganz andere Energie mit. Famularo war kein Drummer, der sich hinter Licks und Technik versteckte. Seine Workshops hatten immer auch eine menschliche Dimension: Disziplin, Motivation, das große Bild hinter dem Üben.
Sein Besuch beim Dresdner Drumfestival war kein Pflichttermin – er war echte Begegnung. Famularo, der in seiner Karriere unzählige Schlagzeuger auf der ganzen Welt inspiriert hat, passte ideal zum Geist einer Veranstaltung, die Musik als Gemeinschaft begreift. Die Percussive Arts Society, die weltweit größte Vereinigung für Perkussionisten, hatte Famularo bereits lange als einen ihrer prominentesten Botschafter gelistet – wer ihn in Dresden erlebte, verstand schnell warum.
Die regionale Szene im Rampenlicht
Was das Dresdner Drumfestival auch 2010 auszeichnete: Es war kein reines Stargauck-Event. Robert Eisfeldt legte stets Wert darauf, regionale Drummer und Bands in das Programm einzubinden. So teilten Dresdner Künstler die Bühne mit internationalen Größen – ohne schlechte Karten, ohne als Lückenfüller behandelt zu werden. Das tat der lokalen Szene gut und war eine bewusste Botschaft: Schlagzeug-Kunst gibt es nicht nur in New York oder London.
Für viele junge Drummer aus der Region war das Festival ein entscheidender Moment. Man sah, wohin die eigene musikalische Reise führen konnte, und gleichzeitig wurde einem klargemacht, dass diese Reise in Dresden beginnen und weitergeführt werden kann.
Stimmung, Energie, Nachhall
Was bleibt von einem Festivalwochenende? Die Konzertmomente, klar – der Schlagzeug-Donnerhall im Puschkin, der sich in den Knochen festsetzt. Aber auch die Gespräche danach, das Aufschreiben von Übungsideen auf dem Heimweg, das Bewusstsein, Teil einer lebendigen Drum-Community zu sein.
Das Dresdner Drumfestival 2010 war genau das: ein Katalysator. Es zeigte, dass ein Festival dieser Art nicht zwingend ein riesiges Budget braucht, um zu begeistern. Es braucht Leidenschaft, die richtigen Künstler – und eine Stadt, die offen genug ist, solche Ereignisse zu tragen. Dresden war es. Der Club Puschkin war es. Und Robert Eisfeldt hat es einmal mehr möglich gemacht.