Weltklasse-Drummer in Dresden: Die internationalen Headliner des Festivals
Wenn ein kleines, unabhängiges Festival ohne Konzernsponsoren Weltklasse-Musiker nach Sachsen lockt, ist das keine Selbstverständlichkeit – das ist das Ergebnis echter Leidenschaft. Genau das hat Robert Eisfeldt mit dem Dresdner Drumfestival geschaffen: eine Bühne im Club Puschkin, die zwischen 2007 und 2013 zu einem Wallfahrtsort für Schlagzeug-Enthusiasten aus der ganzen Region wurde. Was das Festival dabei so besonders machte, war der direkte Zugang zu Musikern, die sonst nur auf großen internationalen Bühnen oder in Fachmagazinen auftauchten.
Virgil Donati – Technische Perfektion aus Australien
Kaum ein Name sorgt in der Drum-Community für so viel Ehrfurcht wie Virgil Donati. Der Australier gilt weithin als einer der technisch fortgeschrittensten Schlagzeuger der Welt – und das ist keine leere Behauptung. Dream-Theater-Drummer Mike Portnoy brachte es einmal auf den Punkt: Donati tue Dinge, die er schlicht nicht nachmachen könne.
Seine Karriere führte ihn von Melbourne über Los Angeles auf die Weltbühne – mit Bands wie Planet X, Tourneen mit Steve Vai und Allan Holdsworth sowie unzähligen Klinik-Auftritten rund um den Globus. Modern Drummer-Leser wählten ihn 2004 zum besten Clinician des Jahres. Dass ein solcher Musiker in der Dresdner Neustadt gastierte, grenzte für viele Besucher fast an ein Wunder.
Die Atmosphäre im Puschkin bei seinem Auftritt war elektrisierend. Wer dabei war, erinnert sich noch heute an Passagen, die das Publikum einfach sprachlos zurückließen – Polyrhythmen, die das Hirn kaum verarbeiten konnte, kombiniert mit einer Musikalität, die nie in bloße Technik-Showerei abdriftete.
Will Calhoun – Grammy-Gewinner aus der Bronx
Mit Will Calhoun kam ein anderer Kaliber an internationaler Schlagzeuger Dresden: der Mann hinter Living Colour, zweifacher Grammy-Gewinner und eines der kreativsten Köpfe des modernen Hard-Rock-Schlagzeugs.
Calhoun wuchs in der Bronx auf und studierte am renommierten Berklee College of Music in Boston. Was ihn von vielen seiner Zeitgenossen unterscheidet, ist die Breite seines musikalischen Horizonts: Er integrierte Funk, Fusion, Drum-and-Bass, ethnische Perkussion und Sampling in ein Stilbild, das kaum in eine Schublade passt. Rolling Stone kürte ihn 1990 zum besten Drummer des Jahres – eine Ehrung, die er neben Kollaborationen mit Harry Belafonte, Pharoah Sanders, Mick Jagger und Lauryn Hill behauptet.
Im Kontext des Drumfestivals war sein Auftritt ein klares Signal: Schlagzeug ist keine Begleiterscheinung. Es ist das Herz der Musik.
Dom Famularo – Der Botschafter des Schlagzeugs
„Drumming's Global Ambassador" – diesen Titel trug Dom Famularo nicht ohne Grund. Der New Yorker war jahrzehntelang einer der gefragtesten Drum-Pädagogen und Clinician der Welt, bekannt für seine Fähigkeit, sowohl Anfänger als auch Profis zu inspirieren. Er studierte bei Legenden wie Jim Chapin und Joe Morello, wurde als erster westlicher Drummer zu Clinics in China eingeladen und hinterließ überall, wo er auftrat, einen bleibenden Eindruck.
Für das Dresdner Drumfestival bedeutete Famularo mehr als einen prominenten Namen auf dem Plakat. Sein Ansatz – Schlagzeug als Lebensschule, als Disziplin mit echtem Mehrwert jenseits der Bühne – passte perfekt zur Idee eines Festivals, das Bildung und Performance gleichwertig behandelte. Workshops mit ihm waren keine trockenen Unterrichtseinheiten, sondern lebendige, motivierende Erlebnisse.
Dom Famularo verstarb im September 2023 im Alter von 70 Jahren. Wer ihn in Dresden erlebt hatte, bewahrt diese Erinnerung als etwas Besonderes.
Jojo Mayer – Zwischen Jazz, Drum-and-Bass und Zukunft
Der Züricher Jojo Mayer ist ein Phänomen für sich. Als Kind von Musikern aufgewachsen, begann er früh seine Karriere in der Jazz-Welt – Dizzy Gillespie, Nina Simone, das North Sea Jazz Festival. Dann vollzog er einen radikalen Schwenk in Richtung Drum-and-Bass und elektronische Musik, und wurde zur Brücke zwischen akustischer Schlagzeug-Tradition und digitaler Clubkultur.
Sein Projekt Nerve verbindet präzises Live-Drumming mit elektronischen Grooves auf eine Weise, die das Publikum regelmäßig verblüfft. Im Club Puschkin fand diese Art von Musik ihre ideale Heimat: ein Venue mit Club-DNA und echtem Livemusik-Geist.
Mayer verkörpert, wohin sich das Schlagzeug als Instrument entwickeln kann – und sein Auftritt in Dresden machte das für viele junge Drummer hautnah spürbar.
Was diese Auftritte bedeuteten
Internationale Schlagzeuger nach Dresden zu holen ist eine logistische und finanzielle Herausforderung, die ohne echtes Herzblut nicht zu stemmen ist. Kein großes Festival-Budget, kein Konzernrückhalt – und trotzdem gelang es dem Drumfestival, Musiker anzuziehen, die weltweit gefragt waren.
Die Percussive Arts Society, die weltweit größte Percussion-Organisation, betont seit Jahren, wie wichtig regional verankerte Festivals für die Entwicklung der Drum-Kultur sind. Das Dresdner Drumfestival hat genau das gelebt: Weltklasse auf die kleine Bühne gebracht, ohne den lokalen Geist zu verlieren.
Ein bleibendes Vermächtnis
Für viele Besucher waren diese Konzerte und Workshops der direkte Anstoß, das Schlagzeug-Spielen ernsthafter zu verfolgen – oder einfach ein unvergessenliches Erlebnis, das zeigt, was möglich ist, wenn Leidenschaft organisatorischen Mut trifft. Die Namen Donati, Calhoun, Famularo und Mayer stehen nicht nur für herausragende Musiker. Sie stehen für das, wofür das Dresdner Drumfestival stand: den Beweis, dass Weltklasse keine Frage des Budgets ist, sondern der Überzeugung.