Robert Eisfeldt: Der Gruender und Motor des Dresdner Drumfestivals
Hinter jedem großen Festival steht ein Mensch, der brennt. Beim Dresdner Drumfestival war dieser Mensch von Anfang an Robert Eisfeldt – Schlagzeugler, Pädagoge, Organisator und vor allem: Überzeugungstäter. Was er 2007 im Club Puschkin im Dresdner Neustadt aus dem Boden stampfte, war kein kommerzielles Event, sondern ein Liebesbekenntnis an das Schlagzeug.
Vom Lehrer zur Festivalmacher
Robert Eisfeldt ist in Dresden kein Unbekannter. Als professioneller Schlagzeuglehrer unterrichtete er bereits in jungen Jahren Hunderte von Schülerinnen und Schülern in der Elbestadt – eine Arbeit, die ihn täglich mit dem Handwerk und der Leidenschaft für Rhythmus in Berührung bringt. Wer andere unterrichtet, weiß, was es bedeutet, Vorbilder zu brauchen. Große Künstlerinnen und Künstler live zu erleben, ihr Spiel aus nächster Nähe zu beobachten – das ist für Lernende von unschätzbarem Wert.
Genau diese Überzeugung war der Keim des Dresdner Drumfestivals.
Gemeinsam mit dem Bassisten Matthias Barthel entwickelte Eisfeldt die Idee, weltberühmte Schlagzeuger und Perkussionisten nach Sachsen zu holen – und zwar in einem Rahmen, der echte Begegnung ermöglicht. Kein riesiges Stadionkonzert mit anonymer Masse, sondern Konzerte und Workshops, bei denen man den Künstlern in die Augen schauen kann.
2007: Ein Festival wird geboren
Am 22. September 2007 fand das erste Dresdner Drumfestival statt. Der Ort war bewusst gewählt: Der Club Puschkin im Dresdner Neustadt bietet eine Atmosphäre, die weit entfernt ist von steriler Konzertsaal-Kälte. Backsteinwände, Holzböden, ein Publikum das wirklich zuhören will – genau das richtige Umfeld für ein Festival, das Musik und Mensch zusammenbringen möchte.
Was als Experiment begann, entwickelte sich zu einer festen Größe im Dresdner Kulturkalender. Jahr für Jahr kehrte das Festival zurück, wuchs behutsam, blieb dabei aber stets seinem Ursprung treu: kein großes Sponsorengeld, kein Kommerz, nur Leidenschaft für das Schlagzeug.
Schlagzeugpädagogik als Fundament
Man versteht Robert Eisfeldt als Festivalgründer nur, wenn man seine Rolle als Schlagzeuglehrer kennt. Pädagogik und Festivalarbeit sind bei ihm keine getrennten Welten – sie bedingen einander. Das Festival war nie nur Unterhaltung, sondern immer auch Bildung: Meisterkurse und Workshops boten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, direkt von internationalen Profis zu lernen.
Diese Verknüpfung von Performance und Lehrinhalt macht das Dresdner Drumfestival zu etwas Besonderem im deutschen Festivalgeschehen. Zum Vergleich: Festivals wie das Drums'n'Percussion in Paderborn – Europas größtes Schlagzeugfestival – setzen auf Masse und breite Infrastruktur. Eisfeldt wählte bewusst den entgegengesetzten Weg: klein, persönlich, handverlesen.
Die Bands hinter dem Mann
Eisfeldt ist nicht nur Lehrer und Organisator – er ist aktiver Musiker. Als Drummer in Projekten wie TOXIC SMILE und FRAKTAL bewegt er sich in der regionalen und überregionalen Musikszene und bringt echte Bühnenpraxis mit. Das verleiht ihm eine Glaubwürdigkeit, die sich nur durch das eigene Spielen erwerben lässt. Wer selbst auf der Bühne steht, weiß, was Künstlerinnen und Künstler brauchen – und was ein Publikum berührt.
Diese doppelte Perspektive – als Interpret und als Vermittler – prägt den Charakter des Festivals bis in die kleinsten Details.
Ein Festival ohne Netz und doppelten Boden
Was besonders beeindruckt: Das Dresdner Drumfestival kam ohne die übliche Maschinerie aus. Keine großen Kulturstiftungen, keine Konzernsponsoren, kein PR-Apparat. Was das Festival am Leben hielt, war das Netzwerk und die Energie seiner Macher – und das treue Publikum, das Jahr für Jahr wiederkam.
Gerade in einer Zeit, in der Kulturveranstaltungen zunehmend auf Fördermittel und Werbepartnerschaften angewiesen sind, ist das bemerkenswert. Es zeigt, was möglich ist, wenn eine Idee wirklich aus der Mitte einer Szene kommt – und nicht aus einem Businessplan.
Die Deutsche Musikszene lebt von solchen Initiativen, die das Instrument in den Vordergrund stellen und nicht das Event drum herum.
Dresden als Rhythmus-Hauptstadt
Dass ausgerechnet Dresden zum Schauplatz dieses Festivals wurde, ist kein Zufall. Die Elbestadt hat eine lebendige Musikszene abseits der großen Klassikbühnen – eine Underground-Kultur, die im Neustadt beheimatet ist und in der Clubs wie der Puschkin eine zentrale Rolle spielen. Robert Eisfeldt hat diese Szene nicht erschaffen, aber er hat ihr mit dem Dresdner Drumfestival eine neue Dimension gegeben.
Sachsen als Festivalstandort für Weltklasse-Perkussion – das war vor 2007 kaum vorstellbar. Eisfeldt hat es möglich gemacht, und das ist sein bleibendes Verdienst.
Das Vermächtnis einer Vision
Festivalgründer kommen und gehen. Was bleibt, sind die Momente: ein nigerianischer Perkussionist, der einem Dresdner Teenager zeigt, wie man einen Rhythmus atmet. Ein japanischer Drummer, der im Club Puschkin sein europäisches Debüt gibt. Ein Schüler aus Eisfeldts eigenem Unterricht, der plötzlich neben seinem Idol auf der Bühne steht.
Das Dresdner Drumfestival war nie groß im kommerziellen Sinne. Es war groß in dem, was zählt: in seiner Wirkung auf Menschen, in der Reichweite seiner Idee, in der Tiefe seiner pädagogischen Ambition. Und dafür steht Robert Eisfeldt – als Schlagzeuglehrer, als Drummer, als Visionär und als Gründer eines der ungewöhnlichsten Musikfeste, das Sachsen je erlebt hat.